Geschichte der FIU

Die Idee der FIU

FREIE INTERNATIONALE UNIVERSITÄT als ein organisatorischer Ort dieses Forschens, Arbeitens und Kommunizierens meint also alle die Gruppen und Keimzellen in unserer Gesellschaft, zu denen Menschen sich zusammengeschlossen haben, um gemeinsam die Fragen der sozialen Zukunft zu durchdenken. Je mehr Menschen sich mit diesen Arbeiten verbinden, desto kraftvoller und durchgreifender werden die alternativen Ideen zur Geltung kommen. Darum sei aufgerufen: Gründet Arbeitsplätze der FREIEN INTERNATIONALEN UNIVERSITÄT, der Universität des Volkes. Die FREE INTERNATIONAL UNIVERSITY (Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung) ist das ständige Angebot, diese Kommunikation zu organisieren und zu entwickeln.
Joseph Beuys, Aufruf zur Alternative, Erstveröffentlichung in der Frankfurter Rundschau vom 23. Dezember 1978)
Es gibt wenige Künstler, die an der Totalisierung des Kunstbegriffes so interessiert sind, dass Museen zu einer Universität werden, dass der Begriff der Kreativität nichts anderes dann bedeutet als die Möglichkeit, die Dinge der Welt zu gestalten. .... Wenn ich sage: "Jeder Mensch ist ein Künstler", dann meine ich: Jeder Mensch ist das Wesen, was in seiner Sphäre den Weltinhalt gestalten kann, entweder als Malerei, als Musik, oder als Ingenieurkunst, als Krankenpflege, als Geldwissenschaft usw. Überall drängen die Prinzipien des Lebens dahin, in eine Form gebracht zu werden, also gestaltet zu werden. Wir haben deswegen einen so verkürzten kulturrellen Begriff, weil wir das bezogen haben auf die Kunst. ... Ich will ja die Museen zu Universitäten machen, die dann praktisch ein Departement für Objekte haben.
Joseph Beuys in "Das Museum", Joseph Beuys, Frans Haks; Ein Gespräch über seine Aufgaben, Möglichkeiten, Dimensionen. FIU-Verlag

FIU – Freie Internationale Universität

1971 1. November: Gründung des "Kommitees für eine Freie Hochschule" durch Joseph Beuys
1973 27. April: Gründung des Vereins zur Förderung einer "Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung"
Unsere Schule soll kein Gammelstall werden.
Joseph Beuys

Der gegründete Verein soll die Trägerschaft für die geplante "Freie Akademie" übernehmen, zu deren "Gründungsrektor" Beuys selbst erklärt wird. Vorsitzender des Vereins ist Klaus Staeck, sein Stellvertreter Professor Georg Meistermann. Zum Gründungsverband gehören außer Schriftführer Willi Bongard die Düsseldorfer Kunstprofessoren Erwin Heerich, Gerhard Richter, Walter Warnach und Paul Wember (Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums Krefeld), Egon Thiemann (Direktor des Dortmunder Museums am Ostwall) sowie Melitta Mitscherlich.

1974 Februar: Joseph Beuys und der Schriftsteller Heinrich Böll gründen eine "Freie Hochschule" in Düsseldorf
Die Freie Hochschule will unabhängig von staatlichem Hineinreden sein. Sie will so viele Studenten annehmen, wie zu ihr kommen. Und sie will selbst darüber bestimmen, wer als Lehrer an sie berufen wird, welches Lehrprogramm sie vertritt. Die Schule fordert die Kontrolle der Gesellschaft. Die Menschen sollen selber beurteilen, ob solch eine Schule etwas Interessantes erzeugt, ob also dort Fähigkeit entwickelt wird, oder nicht. Sollten Fähigkeiten nicht entwickelt werden, dann ist es richtig, dass die Menschen die Schule stoppen. Die Schule darf nur bestehen bleiben, wenn die Gesellschaft für sie Interesse aufbringt. Wir wollen erreichen, dass der Mensch wirklich mit kulturellen Gütern ausgestattet am Arbeitsplatz steht. Die Verflechtung von Kultur und Wirtschaft wird hier ganz klar: Kreativität ist gleich Volksvermögen.
Quelle: Adriani, Konnertz, Thomas, Joseph Beuys, Verlag DuMont, 1986

Kassel

1977 Gründung der FIU Kassel durch Rhea Thönges- Stringaris und Joseph Beuys anläßlich der 6. documenta, Beuys ist 100 Tage anwesend, sein Beitrag: "Die Honigpumpe am Arbeitsplatz"
1983 Die FIU Kassel beteiligt sich an der Baumpflanzaktion "7000 Eichen", Beuys' Beitrag zur 7. documenta
1994 Die FIU Kassel beendet ihre Arbeit

München

1997 November: Initiative für den Aufbau einer FIUMünchen durch Sabine Kretzschmar. Ziel ist die Schaffung eines Ortes für die Erforschung und Anwendung des erweiterten Kunstbegriffes von Joseph Beuys. Bewußtes kreatives Denken und Handeln einfliessen zu lassen in Alltag und Berufsleben, auch ins Gespräch – "immer der, der spricht, ist Lehrer" – fördert die freie Entwicklung des Menschen und verändert in der Folge sein soziales Umfeld, "Die Revolution sind wir". Kunst als lebensgestaltendes Potential im Menschen zu entdecken und auszubilden für alle Bereiche der Gesellschaft ist Aufgabe der FIU-München.
1999 November: Gründung der Sozialen Skulptur München, Idee FIU – Freie Internationale Universität, durch Sabine Kretzschmar, Manfred Stoll, Herta Vogel-Fiedler (|) halbjährliches Veranstaltungsangebot begleitet vom FIU-Kurier
2003 November: Gründung des Fördervereins für die Soziale Skulptur München, der Verein erhält die Anerkennung der Gemeinnützigkeit
2005 November: Die Soziale Skulptur München bezieht eigene Räume in der Augustenstraße 45, genannt Kunstforum Soziale Skulptur München. Die Anmietung wird ermöglicht durch die Förderung der MarthashofenStiftung, Grafrath.
Intensivierung des Veranstaltungsprogrammes aufgrund der Förderung durch die Petra-Kelly-Stiftung. München, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Bezirksausschuss Maxvorstadt der LH München Die Programme begleitend erscheinen drei Ausstellungskataloge: "Beuys FIU – Sender München", "10 Jahre FIU-München" und "In Bewegung – Sender und Empfänger".
2008 14. Oktober: Eröffnung des 19. FIU Semesters mit der Ausstellung „Beuys FIU – Sender München“, gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Bezirksausschuss Maxvorstadt der Landeshauptstadt München. Im Programm ist u.a. die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Kunst gegen das Vergessen, Erinnern für Gegenwart und Zukunft“ mit dem Schwerpunkt „70 Jahre Reichskristallnacht, 60 Jahre Erklärung der Menschenrechte“, in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung
2011 April: die FIU-München unterwegs! Aufgabe der eigenen Räume und Ausdehnung des beweglichen Angebotes: Chair-Walk, ein Experiment erobert die Stadt
2012 November: "Kunst gegen das Vergessen, Erinnern für Gegenwart und Zukunft", eine Veranstaltungsreihe im Kunstraum Wild in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung München; Film, Vortrag, Lesung, performative Aktion